Glückliches Finish für fünf Tri-Forcer - IRONMAN European Championship Frankfurt
12.07.2022 12:26
von Andrea Dietl
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Es ist immer wieder ein beeindruckendes Bild, wenn am Tag des Ironman zu früher Stunde die Athlet*innen am Langener Waldsee mit der Auftaktdisziplin über 3,8km in den sogenannten “längsten Tag des Jahres” starten.
Fünf Tri-Forcer zog es am 26. Juli nach Frankfurt an die Startlinie. Für Pascal Weis, Christoph Diegel, Thomas Müller, Otto Hengstenberg und Nico Schymanski war es nicht die erste Langdistanz, aber bei der Europameisterschaft in Frankfurt dabei sein zu können und gemeinsam mit den Profis auf der Strecke zu sein war für die Tri-Forcer Grund genug, erneut das Abenteuer zu wagen. Nach einem langen Tag waren alle fünf Starter glücklich über ein erfolgreiches Finish.
 

Ergebnisse und Erfahrungsberichte:
 
Otto Hengstenberg
Swim 1:36:05 - Bike 5:28:30 - Run 4:02:03
Gesamt 11:21:05
Gesamtplatz 920
 
 
Nico Schymanski
Swim 1:10:23 - Bike 5:18:46 - Run 3:52:14
Gesamt 10:31:43
Gesamtplatz 482
 
„Ich war super zufrieden. Ich wollte unter 11 Stunden bleiben. Leider habe ich meinen Radcomputer vergessen beim Wechsel vom Schwimmen aufs Rad. Daher musste ich nach Gefühl fahren und bin 20 Watt zu viel gefahren. Daher konnte ich meine geplante Marathonzeit von 3:30h nicht halten.“
 
 
Thomas Müller
Swim 1:04:31 - Bike 5:29:45 - Run 4:04:23
Gesamt 10:51:19
Gesamtplatz 620
 

„Nach einer durchwachsenen Vorbereitung ging es um 4 Uhr morgens auf zum Langener Waldsee. Die letzten Handgriffe am Rad liefen problemlos und dann kam auch schon die von vielen erwartete Durchsage der offiziellen Wassertemperatur. Ich denke es gibt wenige Bereiche, wo so viele Leute gespannt auf die auf Zehntel Grad genaue Messung der Temperatur eines Sees warten wie bei einem Langdistanztriathlon. Für viele erlösend blieb die Temperatur auch unter der Marke und damit gab es eine Freigabe für Neoprenanzüge, die den meisten das Schwimmen doch erleichtern und bei schnelle Schwimmzeiten unterstützen. Also rein in die Pelle und auf zum Schwimmstart. Spätestens beim Erklingen der Nationalhymne und der Schüsse für die Profistarts wurde es jedem klar: Jetzt gilt es. Auf ins Wasser und 3,8 km (unterbrochen durch einen kurzen Landgang) schwimmen. Optimistisch in der Gruppe für eine Schwimmzeit < 1:05:00 angestellt, ging es los. Ein kurzer Blick auf die Uhr beim Landgang dem sogenannten "Australian Exit" zeigte ich bin auf Kurs. Und nicht zuletzt aufgrund des hervorragenden Trainings durch unsere Schwimmtrainerin Astrid Bleuel, die uns im letzten Jahr mit vielen neuen Impulsen versorgte, überquerte ich nach 1:04:31 die Zeitmatte zur Wechselzone.

Auf dem Rad ging es erst einmal flach nach Frankfurt in die Stadt, bevor es auf die zwei Runden der Radstrecke ging. Hier merkte ich allerdings schon bald, dass das heute nicht meine Paradedisziplin wird. Ich hatte Probleme die Verpflegung aufzunehmen, was einer Schlüsselfaktoren für eine gelungene Langdistanz ist. So musste ich hier einige Kompromisse eingehen und Schadensbegrenzung betreiben. So habe ich mit 5:29:45 deutlich länger gebraucht als geplant und war sehr gespannt, wie das abschließende Laufen klappen würde. Und es lief gut an. Mit einer kurzen Pinkelpause und bewusst locker liefen die ersten Runden fast wie von selbst.Das lag nicht zuletzt am grandiosen Support an der Laufstrecke: Familie, Freunde und ganze viele Tri-Forcer säumten den Streckenrand und halfen über die Kilometer.
Ab ca. Kilometer 25 bekam ich dann muskuläre Probleme in den Oberschenkeln, so dass das Leiden seinen Lauf nahm, aber jetzt war es eh zu spät zum Umdrehen.
Die Unterstützungsrufe "Du siehst gut aus" auf den letzten Runden waren wohl glatt gelogen :).
Aber was einem so eine Langdistanz auf jeden Fall lehrt: Auch die längste Quälerei hat irgendwann ein Ende und so ging es schließlich nur noch einmal über die Brücke, runter zum Main, den Reisverschluss vom Anzug wieder hochgezogen, vorbei an der Wechselzone, abbiegen in die Gasse zum Römerberg, vorbei an den vielen Menschen am Zielkanal durch den Zielbogen und dann war es nach 10:51:19 mit neuer persönlicher Bestzeit geschafft: You are an Ironman.“

Pascal Weis
Swim 1:03:30 - Bike 5:02:17 - Run 3:41:15
Gesamtzeit 9:55:01
Gesamtplatz 219
 
„Die Vorbereitungen auf das große Rennen liefen im Großen und Ganzen, problemlos ab und auch in der Nacht vor dem Rennen konnte ich gut schlafen.
Um 3 Uhr klingelte dann der Wecker und ich bereitete mich auf den großen Tag vor. Zum Frühstück gab es 10 Scheiben Toast mit Marmelade und zusammen mit den restlichen Athleten sind wir im Shuttlebus zum Langener Waldsee gefahren. Dort angekommen trafen wir dann noch die letzten Vorbereitungen an den Rädern und haben uns in den Startblöcken eingefunden.
 
Schwimmen:
Ich ordnete mich in den Startblock für die Schwimmzeiten unter 1:05h ein. Das Schwimmen lief bis auf die ein oder andere Klopperei im Wasser, für mich problemlos und ich hatte mir im Vorfeld ausgerechnet beim Landgang nach ca. 1500m mit ungefähr 25min durchzugehen. Als ich dann auf die Uhr schaute und dort 25:03min nach 1500m standen wusste ich, dass ich auf Kurs lag. Auch der 2. Schwimmabschnitt verlief weitestgehend problemlos und ich konnte das Wasser nach 1:03:30 verlassen und war damit 5min schneller als im Jahr zuvor. Auch der Wechsel ging gut und ca. 4 min später saß ich auf dem Rad.
 
Radfahren:
Gut in das Radfahren gestartet, hatte ich nach der ersten Radrunde einen 38er Schnitt und 218Watt im Schnitt auf dem Tacho, voll nach Plan. Das Obwohl mir bei Km 40 eine Wespe oder etwas ähnliches in den Mund geflogen war und mich 3x in die Zunge gestochen hatte. 20Km lang versuchte ich meine angeschwollene Zunge auszusaugen damit die Schwellung zurück ging. Zum Glück funktionierte dies und ich konnte, zwar mit einer leicht brennenden aber nicht mehr angeschwollenen Zunge weiterfahren. In der 2. Radrunde war ich dann komplett alleine unterwegs und verlor nach ca 140km etwas die Kraft um weiter Druck auf das Pedal zu bringen. Nach 5:02:17 konnte ich die Radstrecke dann 16min schneller als letztes Jahr und diesmal ohne defekt, beenden.
 
Laufen:
Die ersten 3 Km gingen relativ gut zu Laufen, bis plötzlich nichts mehr ging. Angepeilt war eine Pace von 4:30 pro Km aber über mehr als eine 5:15 bin ich nicht mehr gekommen. Die Beine machten nicht mehr was sie sollten und dann machte auch noch der Magen Probleme. Angefangen mit Magenkrämpfen die mich sogar 2x zu kurzen Steh Pausen zwangen, ging bald nicht mal mehr die Cola rein sondern kam direkt wieder Retoure. 38km quälte ich mich über die Laufstrecke, immer gegen den Gedanken des Aufgebens, ankämpfend. Zwischenzeitliche mit Gänsehaut weil mein Körper rebellierte und mehrfach, kurz vorm Übergeben, schaffte ich es dann doch bis ins Ziel. Kurz vor dem Zielkanal, den Einteiler zu machen, Sonnenbrille hoch und weil die Zeit dann auch egal war, habe ich die Zuschauer nochmal richtig angeheizt und mich von ihnen den Zielkanal hochtragen lassen. Die Finishline am Römer ist immer wieder grandios.
 
Am Ende bin ich statt der geplanten 3:15h, den Marathon in 3:41:15h gelaufen. Leider 20min langsamer als im Letzten Jahr. Dafür ist aber immerhin eine neue Bestzeit über die Ironman Distanz herausgesprungen und Ich habe nach 9:55:01 gefinisht. 3min schneller als im letzten Jahr.
Leider konnte ich dank des für meine Verhältnisse schlechten Marathons, nicht um den Kona Slot mitkämpfen. Mit dem geplanten Marathon hätte es gerade so gepasst. Der letzte Slot ging in meiner AK 30-34 in 9:31:14 weg.“
 
 
 
Christoph Diegel
Swim 1:17:16 - Bike 5:29:44 - Run 3:51:34
Gesamtzeit 10:52:32
Gesamtplatz 673
 
„Am 26.06.2022 war es endlich so weit und der Ironman Frankfurt konnte kommen. Nach der Abarbeitung des Trainingsplanes über 32 Wochen fuhren Pascal Weiß und ich mit unserer Begleitung am Vortag nach Frankfurt.
Als am Renntag um 03:00 Uhr der Wecker klingelte war das eigentlich nur ein Zeichen in dieser schlaflosen Nacht die Augen nicht wieder zu schließen. Vom Hotel ging es dann mit Thomas Müller und Pascal Weiß zusammen zum Bus, welcher uns zur Wechselzone 1 am Langener Waldsee brachte. Dort trennten sich dann irgendwann unsere Wege.
 
3,8 km Schwimmen
Als langsamer Schwimmer reihte ich mich gegen 06:15 Uhr in den hinteren Bereich der Zone von einer erwarteten Zeit vom 1:15 h bis 1:25 h ein. Die Aufregung und Anspannung der letzten Tage verflog allmählich und eine Mischung von Vorfreude und Erleichterung setzte ein. Nach dem „Viking Clap“ konnte der Schwimmstart der schnelleren Athleten aus unserer Zone gut eingesehen werden. Als die zweite Welle der Altersklasseathleten nach den Profis startete waren meine Gedanken bei Pascal und Thomas, wünschte beiden gedanklich ein gutes Rennen und viel Erfolg. Um 06:51 Uhr und 26 Minuten nach den Profis durfte unsere Zone im Rolling Start zu Wasser. Mittlerweile freute ich mich nur noch auf die bevorstehenden Stunden, all das Training der letzten Wochen fand endlich seinen verdienten Abschluss. Kurz bevor meine Füße das Wasser erreichten, startete ich den Timer der Uhr und hatte ein befreiendes Gefühl. Auf den ersten 1500 Metern war ein dichtes Gedränge, ein Schwimmen ohne Berührungen war nahezu unmöglich. Beim teilweise aggressiven Schlagen und Treten von einigen kam das Gefühl auf, es geht gerade um den Weltmeistertitel.
Nach einem kurzen Landgang, Australien Exit genannt, lockerte das Feld sich etwas auf und das Schwimmen wurde deutlich entspannter. Von dort fand sich auch eine Gruppe von fünf Athleten mit denen ich bis zum Ausstieg schwamm. Mit einer Zeit von 1:17:16 war meine Schwimmzeit ein paar Minuten schneller wie vorgenommen. Der anschließende Wechsel auf das Rad verlief ruhig und koordiniert.
 
182 km Radfahren
Ab auf die Bundesstraße und Richtung Frankfurt. Da ich letztes Jahr die Radstrecke defensiv angegangen bin und später beim Laufen Magenprobleme bekam, wollte ich mich dieses Jahr in meinem abgesteckten Wattbereichen am oberen Ende orientieren. Bis Kilometer 60 musste ich mich immer wieder selbst ermahnen, da ich doch teils deutlich drüber lag. Ab da ging es relativ gut, wurde aber im Kopf etwas langweilig. Bei ruhigeren Passagen half dagegen wie letztes Jahr Kinderlieder singen, ich hoffe keinen beim Überholen mit Paw Patrol oder Kikaninchen und meinen grausamen Gesangskünsten aus der Fassung gebracht zu haben. Ab Kilometer 120 bekam ich nicht mehr genug Leistung auf die Pedalen. Mit Blick auf die Uhr war mein Radsplit bis dahin auch mehr als zufriedenstellend für mich und so beschloss ich das Radfahren etwas lockerer zu beenden, schließlich hatte ich am Mainufer danach noch etwas vor.
Die Radstrecke war im Vergleich zum Vorjahr deutlich besser zu fahren und auch etwas schneller ausgelegt. Wind war auf der ersten Radrunde gar keiner zu spüren, auf der zweiten Runde sehr wenig. Auch die Lufttemperatur war angenehm. Auf dem Weg vom Waldsee nach Frankfurt standen vier Athleten und wechselten die Schläuche. Auf dem Rundkurs sah ich nur noch einen. Die Wettkampfrichter waren, soweit ich es mitbekommen habe, fair. Es war auf der gesamten Strecke relativ viel los, länger als fünf Minuten fuhr ich nie, ohne überholt zu werden oder überholen zu müssen. In der zweiten Runde rief einer der Richter: „blaue Karte, fünf Minuten Zeitstrafe“. Da der vor mir fahrende ca. 8-10 Meter bergan vor mir war, schaute ich ihn etwas fragend an, er grinste und nur: „nicht du“.
Von Bad Vilbel nach Frankfurt zur Wechselzone 2 geht es auf den letzten Kilometern leicht bergab. Dort konnte ich nochmal verpflegen, mit dem restlichen Wasser runterkühlen, die Beine etwas lockern und nach 5:29:44 das Radfahren beenden. Dieser Wechsel verlief auch problemlos. Mittlerweile hatten sich über Frankfurt Wolken gebildet, optimale Bedingungen für den Marathon.
 
42,195 km Laufen
Raus aus der Wechselzone und ab auf die Laufstrecke. Dort bekommt man erstmal auf den ersten 300 Metern die volle Dröhnung der Zuschauer in einem ca. zwei Meter breiten Kanal. Das ist einfach nur ein Megagefühl und haut einen total nach vorne. So musste ich mich nach 500 Metern erstmal ausbremsen, wie immer bin ich nach dem Radfahren viel zu schnell losgelaufen. Nach den ersten drei Kilometern hatte ich mein Tempo gefunden, fühlte mich noch entspannt und wollte erstmal Kilometer sammeln. Die erste Runde war für mich sehr emotional. Bis Kilometer 10 dachte ich auch daran den Lauf vielleicht progressiv zu gestalten, den Gedanken verwarf ich aber am Ende der zweiten Runde ganz schnell wieder. So bin ich die ersten zwei Kilometer meinen „Schuh“ gelaufen, habe mich brav verpflegt und auf genug Flüssigkeitsaufnahme geachtet. Ab Kilometer 20 wurden die Beine langsam schwerer und die Waden und das Gesäß fingen zu schmerzten an. Der Blick auf die Uhr verriet mir das ein gutes SUB 11 möglich ist, ich durfte auf dem restlichen Marathon nur nicht einbrechen. Auf den letzten beiden Runden nahm ich mir deshalb die Zeit und ging bei den Verpflegungsstellen, nahm meine Gels, genug Wasser und auf der letzten Runde Cola und Red-Bull. Da mir letztes Jahr ab Kilometer 20 schlecht wurde und fast gar nichts mehr ging nahm ich die Verpflegung immer mit etwas Vorsicht auf, ein flaues Gefühl war beim kompletten Lauf jedoch im Bauch. Die letzte Runde war nochmal ein ziemlicher Kampf. Irgendwie immer wieder kurze Ziele auf der Strecke gesetzt, bei jedem „piepsen“ der Uhr gefreut, dass wieder ein Kilometer geschafft ist und trotz aller Schmerzen nur noch an das Ziel gedacht. Das letzte Rundenbändchen abgegriffen und noch einmal über den Main. Bei der letzten Verpflegungsstation mit zwei Schwämmen das Gesicht und den Kopf für das Zielfoto saubergewaschen, letztmalig an der Wechselzone 2 vorbei und dann Richtung Ziel am Römerberg abgebogen. Im Zielkanal bekommt man es von den ganzen Zuschauern nochmal richtig besorgt, für einen kurzen Moment vergisst man alle Schmerzen und genießt einfach nur noch, hört seinen Namen und die drei erlösenden Worte: You are an Ironman. Die letzten Meter waren der absolute Wahnsinn.
Nach 10 Stunden, 52 Minuten und 32 Sekunden erreichte ich auf Platz 134 der AK 40-44 und mit dem Gesamtplatz 674 das ersehnte Ziel. Damit lag ich etwas unter dem anvisierten Zeitfenster von 11 bis 12 Stunden.
 
Support
Eine ganz bedeutende und emotionale Sache war für mich wie viele Leute aus Familie, dem Freundeskreis und dem Tri-Force Vereinskreis nach Frankfurt gekommen sind, um uns insgesamt fünf Startern beim Wettkampf zu unterstützen. Viele haben enorme Strapazen in Kauf genommen, um mit uns dabei und für uns da zu sein. Es wurde übergreifend ordentlich angefeuert, mitgefiebert und mit Sicherheit auch mitgelitten. Auch wenn man im Eifer des Wettkampfes nicht alles mitbekommen hat, vielen lieben Dank an alle. Das war eine großartige Sache, eine wahnsinnige Unterstützung und hat enorm viel gepusht. Meiner Frau kann ich für die letzten Monaten gar nicht genug danken. Ab dem Jahreswechsel war unser Familienleben fast ausschließlich auf das Training ausgerichtet, ohne ihre Akzeptanz, Toleranz und Unterstützung wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen.“

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Tri-Force Fulda e.V.